Mehr als nur Verdunkelung
Rollläden und Jalousien erfüllen gleich mehrere Funktionen: Sonnenschutz, Verdunkelung, Sichtschutz, Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchschutz in einem System. Kein anderes Bauteil bietet einen so vielfältigen Mehrwert – und kein anderes wird so oft erst nachträglich als fehlend bemerkt. In Neubauten gehören motorisierte Rollläden zum Standard, in Bestandsgebäuden lohnt sich die Nachrüstung fast immer.
Rollläden: Materialien und Kastenformen
Aluminium-Rollläden mit PU-Schaumfüllung sind der Standard: leicht (3 bis 5 kg/m²), stabil, gute Wärmedämmung (U-Wert-Verbesserung um 0,3 W/m²K bei geschlossenem Rollladen). Die Lamellenhöhe beträgt typisch 37 bis 55 mm – schmale Lamellen für kleine Fenster, breite für große. Kunststoff-Rollläden sind günstiger, aber weniger stabil und bieten kaum Einbruchschutz.
Der Rollladenkasten ist bei Neubauten als Vorbaurollladen (vor der Fassade montiert) oder als Aufsatzkasten (auf dem Fensterrahmen) üblich. Vorbaurollläden haben den Vorteil, dass sie keine Wärmebrücke am Sturz erzeugen und bei der Nachrüstung einfach installiert werden können. Einbau-Revisionsrollläden (der Kasten sitzt im Mauerwerk) sind optisch unsichtbar, aber bei der Nachrüstung aufwendig. Kosten: 250 bis 500 Euro pro Fenster (Vorbaurollladen mit Motor).
Innenjalousien und Plissees
Innenjalousien (Aluminium-Lamellen, 16 bis 50 mm breit) bieten stufenlose Lichtlenkung im Innenbereich. Sie schützen vor Blendung und Sichteinfall, haben aber nur geringe Wirkung als Sonnenschutz (die Wärme ist bereits durch das Glas im Raum). Kosten: 50 bis 200 Euro pro Fenster. Für Feuchträume (Bad, Küche): Jalousien aus Aluminium statt Holz verwenden.
Plissees sind gefaltete Stoffbahnen, die von oben, von unten oder beidseitig verstellbar sind – ideal für Tag/Nacht-Kombinationen: halbtransparenter Stoff im oberen Bereich für Sichtschutz bei Tageslicht, verdunkelnder Stoff im unteren Bereich für die Nacht. Plissees für Dachfenster sind oft die einzige Innenbeschattungslösung. Kosten: 30 bis 150 Euro pro Fenster nach Maß.
Wabenplissees (Doppelzell-Plissees) sind die beste Innenbeschattung für Wärmedämmung: Die Luftkammern in der Wabenstruktur wirken als Isolierschicht und verbessern den U-Wert des Fensters um 0,5 bis 1,0 W/m²K – eine spürbare Energieeinsparung, besonders bei schlecht isolierten Altbaufenstern. Kosten: 50 bis 200 Euro pro Fenster.
Motorisierung und Smart-Home-Anbindung
Motorisierte Rollläden und Jalousien sind Komfort und Effizienz zugleich: Automatisches Schließen bei Dämmerung oder nach Sonnenstand, automatisches Hochfahren am Morgen, Windschutz-Automatik. Die Steuerung erfolgt über Funktaster, Zeitschaltuhren oder Smart-Home-Integration.
Rohrmotoren (in der Wickelwelle des Rollladens) sind die Standardlösung für motorisierte Rollläden. Preisspanne: 100 bis 250 Euro pro Motor (plus 50 bis 100 Euro Einbau). Funk-Rohrmotoren (Somfy, Rademacher) ermöglichen die Steuerung per Handsender und Smart-Home-Integration ohne Verkabelung. Kabelgebundene Motoren sind zuverlässiger, erfordern aber ein Leitungsnetz zu jedem Fenster.
Die Smart-Home-Integration bietet den größten Mehrwert: Sonnenstandsabhängige Steuerung (Raffstores schwenken die Lamellen automatisch nach Sonnenwinkel), Anwesenheitssimulation (Rollläden fahren bei Abwesenheit zeitversetzt hoch und runter), Verknüpfung mit Heizung und Kühlung (geschlossene Rollläden bei Hitze senken den Kühlbedarf um bis zu 30 Prozent).
Nachrüstung im Bestand
Vorbaurollläden sind die einfachste Nachrüstlösung: Der Kasten wird vor der Fassade über dem Fenster montiert, die Führungsschienen seitlich am Fensterrahmen. Kein Mauerwerkseingriff nötig, Montage in 2 bis 3 Stunden pro Fenster. Der Kasten kann farblich an die Fassade angepasst werden und fällt bei guter Planung kaum auf.
Für Mietwohnungen oder denkmalgeschützte Fassaden: Wabenplissees als innenliegende Alternative sind rückbaubar und schadstoffrei zu montieren (Klemmträger ohne Bohren). Sie bieten zwar keinen Einbruchschutz, aber exzellente Verdunkelung und gute Wärmedämmung. Kosten für die vollständige Ausstattung einer 3-Zimmer-Wohnung: 300 bis 1.000 Euro.