Warum Regenwasser zu wertvoll für den Kanal ist
In Deutschland fallen pro Jahr durchschnittlich 800 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – auf einem typischen Einfamilienhausdach von 100 Quadratmetern sind das 80.000 Liter kostenfreies, weiches Wasser. Statt dieses kostbare Nass in die Kanalisation fließen zu lassen, können Sie es auffangen und für die Gartenbewässerung nutzen. Das schont nicht nur den Geldbeutel (Trinkwasser kostet durchschnittlich 4,50 Euro pro Kubikmeter inklusive Abwassergebühr), sondern entlastet auch die kommunale Kanalisation bei Starkregen.
Regenwasser ist zudem ideal für Pflanzen: Es ist weich, kalkfrei und hat einen leicht sauren pH-Wert, den die meisten Gartenpflanzen bevorzugen. Rhododendren, Hortensien und Heidelbeeren, die empfindlich auf kalkhaltiges Leitungswasser reagieren, gedeihen mit Regenwasser merklich besser. Ein durchdachtes Regenwassermanagement kombiniert Sammlung, Speicherung und gezielte Verteilung und kann den Trinkwasserverbrauch für den Garten um bis zu 100 Prozent reduzieren.
Regenwasser sammeln: Vom Dach in den Speicher
Regentonnen – der einfache Einstieg
Die klassische Regentonne (200 bis 500 Liter) am Fallrohr ist der simpelste Weg zur Regenwassernutzung. Moderne Regentonnen gibt es in unzähligen Designs: als Holzfass-Imitat, als schlanke Wandtonne oder als dekorative Amphore. Ein Regensammler mit Überlaufstopp wird ins Fallrohr eingesetzt und leitet das Wasser in die Tonne – wenn sie voll ist, fließt das restliche Wasser weiter ins Fallrohr.
Vorteile: Günstig (30 bis 100 Euro), schnell installiert (15 Minuten), kein Erdaushub nötig. Nachteile: Begrenztes Volumen deckt nur wenige Tage Bewässerungsbedarf, im Sommer kann sich Algenbildung durch Sonneneinstrahlung bilden (dunkle Tonnen oder Deckel verwenden), im Winter muss die Tonne geleert und das Fallrohr umgestellt werden. Für kleine Gärten oder als Ergänzung zu einem größeren System dennoch sinnvoll.
Erdtanks und Zisternen
Wer ernsthaft Regenwasser nutzen möchte, kommt an einem unterirdischen Speicher nicht vorbei. Erdtanks aus Kunststoff (PE) oder Beton fassen 1.000 bis 10.000 Liter und werden im Garten vergraben. Das Wasser bleibt durch die konstante Bodentemperatur von 8 bis 12 Grad kühl und dunkel – ideal gegen Algen- und Keimbildung. Eine Tauchpumpe fördert das Wasser bei Bedarf zur Gartenbewässerung.
Die Dimensionierung hängt von der Dachfläche und dem Wasserbedarf ab. Faustregel: Pro 50 Quadratmeter Gartenfläche rechnet man mit 1.000 Litern Speichervolumen. Ein typischer Garten mit 200 Quadratmetern Rasenfläche und 50 Quadratmetern Beeten benötigt etwa 4.000 bis 6.000 Liter Speicher, um auch Trockenperioden von 2 bis 3 Wochen zu überbrücken. Kosten: 800 bis 2.500 Euro für den Tank, plus 500 bis 1.500 Euro für Erdarbeiten und Installation.
Retentionszisternen
Eine Sonderform sind Retentionszisternen, die bei Starkregen das Wasser zunächst zurückhalten und nur gedrosselt in den Kanal abgeben. Sie verbinden Regenwassernutzung mit Hochwasserschutz und werden von vielen Kommunen gefördert. Der obere Teil der Zisterne dient als Nutzvolumen, der untere als Retentionsraum mit gedrosseltem Ablauf.
Versickerung: Regenwasser dem Boden zurückgeben
Nicht alles Regenwasser muss gespeichert werden. Die gezielte Versickerung auf dem eigenen Grundstück ist ökologisch wertvoll, gesetzlich oft gefordert (Versickerungsgebot) und reduziert die Niederschlagswassergebühr. Es gibt verschiedene Techniken:
- Mulden-Versickerung: Flache, begrünte Mulden, in denen sich Regenwasser sammelt und langsam versickert. Platzbedarf: circa 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen Fläche. Einfachste und günstigste Methode.
- Rigolen-Versickerung: Unterirdische Kiespackungen oder Sickertunnel, die Wasser aufnehmen und versickern lassen. Geringer Platzbedarf, aber höhere Baukosten.
- Mulden-Rigolen-System: Kombination aus oberirdischer Mulde und unterirdischer Rigole. Maximum an Versickerungsleistung auf minimaler Fläche.
- Sickerboxen: Modulare Kunststoffboxen, die unter Rasenflächen oder Einfahrten vergraben werden. Hohe Speicherkapazität bei kompakter Bauform.
Vor der Planung einer Versickerungsanlage sollten Sie den Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert) Ihres Bodens prüfen lassen. Sandige Böden versickern hervorragend, bei Lehm oder Ton kann eine Versickerung unmöglich sein und das Wasser muss gespeichert oder gedrosselt abgeleitet werden.
Vom Speicher zum Beet: Bewässerungstechnik
Gesammeltes Regenwasser lässt sich auf verschiedene Arten im Garten verteilen. Am effizientesten ist die Tröpfchenbewässerung: Dünne Schläuche mit Tropfern führen das Wasser direkt an die Pflanzenwurzeln. Wasserverluste durch Verdunstung sind minimal, und die Pflanzen erhalten gleichmäßig Feuchtigkeit. In Kombination mit einer Zeitschaltuhr und einer Tauchpumpe im Erdtank entsteht ein vollautomatisches Bewässerungssystem.
Für Rasenflächen eignen sich Versenkregner, die aus dem Boden aufsteigen, wenn der Wasserdruck aufgebaut wird. Regenwasserpumpen mit Druckkessel liefern 3 bis 4 Bar – genug für handelsübliche Rasensprenger. Tipp: Installieren Sie einen Filter (mindestens 100 Mikrometer) zwischen Pumpe und Regner, um Schwebstoffe zurückzuhalten, die Düsen verstopfen könnten.
Förderung und Gebührenersparnis
Viele Kommunen fördern die Regenwassernutzung mit Zuschüssen von 500 bis 2.000 Euro. Darüber hinaus sparen Sie die Niederschlagswassergebühr: Bei 100 Quadratmetern Dachfläche und einem Gebührensatz von 1,20 Euro pro Quadratmeter sind das 120 Euro jährlich. Hinzu kommt die Ersparnis beim Trinkwasser: Ein Garten mit 200 Quadratmetern verbraucht im Sommer etwa 20 Kubikmeter Wasser – bei 4,50 Euro/m³ sind das 90 Euro. Gesamtersparnis: bis zu 210 Euro pro Jahr. Die Investition in eine Zisterne amortisiert sich damit in 5 bis 10 Jahren.
Praktische Tipps zur Planung
Planen Sie die Regenwasseranlage idealerweise beim Hausbau oder einer Gartenumgestaltung, wenn ohnehin Erdarbeiten anstehen. Achten Sie auf ausreichend Gefälle zum Erdtank (mindestens 1 Prozent in den Zuleitungen). Installieren Sie einen beruhigten Zulauf im Tank, damit aufgewirbeltes Sediment sich setzen kann. Ein Überlauf mit Rückstauklappe verhindert, dass bei Starkregen Kanalwasser in den Tank drückt. Und vergessen Sie den Winterbetrieb nicht: Frostfrei verlegte Leitungen und ein Tank, der unter der Frostgrenze liegt (mindestens 80 Zentimeter tief), funktionieren ganzjährig.